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April 2026

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Auswirkungen geopolitischer Konflikte auf die Industrie rücken zunehmend in den Fokus. Eine aktuelle SPECTARIS-Umfrage zeigt, dass der Iran-Krieg die Branchen bislang moderat, aber spürbar trifft – mit wachsenden Herausforderungen insbesondere in Lieferketten, Kostenentwicklung und Marktdynamik. Welche konkreten Effekte Unternehmen bereits beobachten und wie sie darauf reagieren, lesen Sie in unserem Brennpunkt.

Darüber hinaus beleuchten wir die aktuellen Reformvorschläge zur gesetzlichen Krankenversicherung und die damit verbundenen Risiken für Innovation und Versorgung in der Medizintechnik. Außerdem blicken wir auf das Regulatory Affairs Forum bei Bruker BioSpin, bei dem Cyber-Sicherheit und Nachhaltigkeit im Fokus standen. Und: In dieser Ausgabe haben wir eine Übersicht über die kommenden SPECTARIS Wissensraum-Seminare für Sie zusammengestellt – mit einem breit gefächerten Angebot an praxisnahen Weiterbildungen und Webinaren.

Wir wünschen Ihnen eine informative Lektüre.

Jörg Mayer, Geschäftsführer SPECTARIS

THEMEN DIESER AUSGABE

BRENNPUNKT

Iran-Krieg: Moderate, aber spürbare Auswirkungen auf die Branche

Eine aktuelle SPECTARIS-Umfrage unter 84 Mitgliedsunternehmen zeigt: Die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Branchen sind bislang moderat, nehmen jedoch zu. Auf einer Skala von 0 (überhaupt nicht betroffen) bis 100 (sehr stark betroffen) liegt die durchschnittliche Betroffenheit bei 31 – mit der Medizintechnik am stärksten (60) und der Photonik am geringsten betroffen (32). Bereits 30 Prozent der Unternehmen berichten von spürbaren Effekten, weitere 19 Prozent erwarten diese in den kommenden Wochen.

Besonders deutlich zeigen sich die Folgen in der Logistik und Kostenentwicklung: 45 Prozent berichten von Umleitungen von Transportwegen, 42 Prozent von Lieferverzögerungen. Gleichzeitig sehen 82 Prozent steigende Energie- und Transportkosten sowie 52 Prozent höhere Lieferantenpreise. Auch die Marktentwicklung bleibt angespannt – 35 Prozent beobachten Zurückhaltung in Absatzmärkten und Risiken für laufende Projekte.

Engpässe bestehen vor allem bei elektronischen Komponenten (48 %), Kunststoffen (38 %) und Metallen (26 %). Als Reaktion setzen Unternehmen vor allem auf Lageraufbau (42 %), Materialsubstitution (26 %) und Lieferantenwechsel (12 %). Zudem planen 82 Prozent aktuell keine Messebeteiligungen im Nahen Osten.

ZAHL DES MONATS

GKV-Reform: Kostendruck gefährdet Innovation und Versorgung

Mit dem Bericht der FinanzKommission Gesundheit liegen 66 Reformvorschläge zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung vor. Die konkrete politische Ausgestaltung steht jedoch noch aus – und wird entscheidend für die Zukunft der Medizintechnik sein.

Im Fokus vieler Vorschläge steht eine stärkere Ausgabensteuerung. Dadurch geraten insbesondere Medizintechnik und Hilfsmittelversorgung unter zunehmenden Kostendruck. Geplante Maßnahmen wie die Einschränkung der Preisfreiheit, strengere Nutzenbewertungen oder die mögliche Wiedereinführung von Ausschreibungen könnten den Marktzugang für Innovationen erschweren und die Versorgungsqualität beeinträchtigen.

Aus Sicht von SPECTARIS kommt es nun darauf an, Effizienzpotenziale verantwortungsvoll zu nutzen, ohne Innovation und Qualität zu gefährden. Verlässliche Rahmenbedingungen für neue Technologien, praxisnahe Evidenzanforderungen und eine sichere Versorgung müssen im Mittelpunkt der weiteren Reformschritte stehen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

BStabG: Beitragssatzstabilität darf Innovation nicht ausbremsen

Der Referentenentwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) verfolgt das Ziel, die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren. Aus Sicht von SPECTARIS ist dabei entscheidend, dass notwendige Kostendämpfungsmaßnahmen nicht zulasten von Innovation, Versorgungsqualität und mittelständischen Strukturen gehen.

Positiv ist, dass im Hilfsmittelbereich auf eine Rückkehr zu Ausschreibungen verzichtet wird. Kritisch bewertet der Verband jedoch geplante Maßnahmen wie eine stärkere Preisorientierung bei Festbeträgen, die Qualität und Versorgungsrealität unzureichend berücksichtigt. Auch der vorgesehene pauschale Abschlag von drei Prozent auf Hilfsmittelvergütungen in den Jahren 2027 und 2028 sowie die Begrenzung von Preissteigerungen könnten Investitionen erschweren und die Versorgung belasten.

Hinzu kommen mögliche kumulative Effekte durch zusätzliche Vorgaben, die insbesondere den Zugang zu hochwertigen Versorgungsleistungen beeinträchtigen können. SPECTARIS setzt sich daher für eine differenzierte Ausgestaltung ein, die Wirtschaftlichkeit, Innovation und Qualität gleichermaßen berücksichtigt.

Weitere Informationen finden Sie in der SPECTARIS-Stellungnahme und der Pressemitteilung hier.

GeDIG: Fortschritte bei Digitalisierung – Telemonitoring weiter unzureichend verankert

Mit dem Referentenentwurf für ein „Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen“ (GeDIG) setzt das Bundesgesundheitsministerium wichtige Impulse für eine datengetriebene Versorgung. Fortschritte sieht SPECTARIS insbesondere bei Interoperabilität, der Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte sowie beim Zugang zu Gesundheitsdaten.

Gleichzeitig bleibt der Entwurf aus Sicht der Industrie hinter den Anforderungen zurück, die für eine nachhaltige Integration von Telemonitoring notwendig sind. So fehlt weiterhin eine klare gesetzliche Verankerung als regelhafte Leistung in der Versorgung – inklusive Leistungsanspruch, Vergütung und definierter Versorgungsprozesse. Stattdessen wird Telemonitoring bislang überwiegend über bestehende Instrumente wie Digitale Gesundheitsanwendungen abgebildet.

Für eine patientenzentrierte und zukunftsfähige Versorgung braucht es aus Sicht von SPECTARIS verbindliche Rahmenbedingungen entlang des gesamten Versorgungspfads – von der Integration in das Hilfsmittelverzeichnis bis hin zu praxistauglichen Bewertungs- und Vergütungsstrukturen.

Weitere Informationen sowie das SPECTARIS-Impulspapier „Telemonitoring in die Regelversorgung“ finden Sie hier.

SPECTARIS-Workshop: Regulierung im Dialog mit der Politik

Die aktuellen regulatorischen Entwicklungen stellen die Medizintechnikbranche vor erhebliche Herausforderungen. MDR-Revision, Omnibus-Initiativen zu Digitalem, KI und Umwelt sowie die nationale Umsetzung europäischer Vorgaben (z.B. nach NIS2 und Cyber Security Act) greifen zunehmend ineinander. Für Unternehmen entsteht dadurch hohe Unsicherheit und zusätzliche Friktion. Zugleich wird es immer anspruchsvoller, die zentralen Botschaften zu jeder einzelnen Initiative rechtzeitig und präzise in die politischen Prozesse einzubringen.

Umso wichtiger sind Formate, die einen vertieften Austausch zwischen Industrie und Politik ermöglichen. Bei einem SPECTARIS-Workshop in den Räumlichkeiten von KARL STORZ konnten wir zentrale regulatorische Herausforderungen der Branche mit MdB Dr. Maria-Lena Weiss (CDU) und ihrem Team intensiv diskutieren. Zudem hatten wir an diesem Tag die Gelegenheit zum Austausch mit MdB Matthias Mieves (SPD) und seinem Büro. Beide sind Berichterstatter ihrer Fraktionen im Gesundheitsausschuss.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Regulierung weiterhin hohe Qualität und Patientensicherheit gewährleisten kann, ohne Innovation, Marktzugang und die Verfügbarkeit spezialisierter Medizinprodukte unnötig zu erschweren. Wertvolle Impulse kamen dabei von unseren Mitgliedsunternehmen Dräger, KARL STORZ, Richard Wolf und Thermo Fisher Scientific.

Gerade in Zeiten paralleler Reform- und Umsetzungsprozesse ist es entscheidend, dass politische Entscheidungsträger den „Finger am Puls“ der Branche halten, Argumente gründlich aufnehmen und unterschiedliche Perspektiven nachvollziehen können. Nur so können tragfähige und praxistaugliche Entscheidungen schnell und fundiert getroffen werden.

Cyber-Sicherheit trifft Nachhaltigkeit: Rückblick auf das RA-Forum bei Bruker BioSpin

Wie lassen sich Innovation, IT-Sicherheit und ökologische Verantwortung in der Labortechnik vereinen? Am 23. April 2026 traf sich das SPECTARIS-Gremium „Regulatory Affairs Forum Analysen-, Bio- und Labortechnik“ (RF ABL) bei der Bruker BioSpin GmbH in Ettlingen. In einer Zeit massiv steigender regulatorischer Anforderungen bot die Sitzung einen entscheidenden Mehrwert für die gesamte Sparte: Die Verbindung von praxisnaher technischer Umsetzung und einem stabilen juristischen Fundament.

Im Fokus des Vormittags stand die Cyber-Compliance. Bernd Gehring (Voith Group) und Dr. habil. Christian Förster (Bartsch Rechtsanwälte) beleuchteten den Cyber Resilience Act (CRA) in Kombination mit der Maschinenverordnung sowie NIS-2. Sie machten deutlich, dass Cybersicherheit – also der Schutz der Geräte vor Hackerangriffen – längst nicht mehr optional ist, sondern zur Kernvoraussetzung für den Marktzugang und die Haftungssicherheit der Geschäftsführung wird. Am Nachmittag gab Sophie Leddig (SPECTARIS) wichtige Impulse zur neuen Ökodesign-Verordnung (ESPR), die künftig vorschreibt, wie nachhaltig und reparierbar Laborgeräte gestaltet sein müssen.

Ein besonderes Highlight war der Blick hinter die Kulissen: Gastgeber und Co-Vorsitzender des Gremiums Dr. Alexander Krieg und Kollegen führten die Teilnehmenden durch die Produktion des Global Players Bruker.

Robotik etabliert sich als Geschäftsfeld und als SPECTARIS-Thema

Seit vergangenem Jahr ist das Thema Robotik auch bei SPECTARIS zum Schwerpunkt geworden. Unsere Mitglieder liefern in die Robotik-Wertschöpfungskette, robotisieren ihre eigenen Geräte oder nutzen Robotik in ihren Prozessen. Auf der Analytica haben wir aus diesem Grund unsere neue Studie „Robotics and Automation in the Laboratory“ veröffentlicht, gemeinsam mit der Messe München. Beiträge aus Industrie und Forschung zeigen Robotik-getriebenes Wachstum insbesondere in Probenhandling, Analyse und Datenverarbeitung. Die zahlreichen Praxisbeispiele im Report unterstreichen dabei die enorme Bandbreite der Entwicklung.

Bereits im November hatten wir den ersten Report zur Robotik in der Medizintechnik veröffentlicht, in diesem Fall unterstützt von der Messe Düsseldorf.

Leiten Sie beide Studien gerne an Ihre interessierten Kolleginnen und Kollegen weiter.

IEEPA-Rückzahlungen starten: Erste Anträge jetzt möglich

Gute Nachricht für Importeure: Seit dem 20. April 2026 können erstmals Rückerstattungen unrechtmäßiger IEEPA-Zölle beantragt werden – gebündelt über ein neues Online-Verfahren. Grundlage sind aktuelle Entscheidungen des US Supreme Court und des Court of International Trade, die diese Zusatzzölle für rechtswidrig erklärten.

Die US-Zollbehörde U.S. Customs and Border Protection hat daraufhin Phase 1 des neuen CAPE-Prozesses im ACE-Portal gestartet. Wichtig: Rückzahlungen erfolgen nur auf Antrag – automatisch gibt es kein Geld zurück.

Zunächst profitieren nur bestimmte Einfuhren, etwa solche, deren Zollverfahren noch nicht endgültig abgeschlossen ist oder erst kürzlich abgeschlossen wurde. Weitere Gruppen sollen in späteren Phasen folgen.

„Das ist ein wichtiger erster Schritt, aber viele Unternehmen müssen weiter Geduld haben“, so Garry Konrath, Referent der Außenwirtschaft und Exportförderung bei SPECTARIS. Er betont: „Jetzt zählt vor allem, die Anträge korrekt und fristgerecht einzureichen.“

Für die Antragstellung brauchen Unternehmen u. a. ein aktives ACE-Konto sowie hinterlegte Bankdaten.

Bild: Eigene Darstellung / KI-generierte Illustration

SPECTARIS WISSENSRAUM-SEMINARE

Vertiefen Sie Ihr Wissen in praxisorientierten Weiterbildungen und profitieren Sie von den kommenden Webinaren:

SPECTARIS Webinar: US-(Re-)Exportkontrollrecht – von der Theorie zur Praxis

SPECTARIS lädt gemeinsam mit Dr. Ulrike Jasper (AEB SE) zum Webinar am 20. Mai 2026 ein. Sie erhalten einen kompakten, praxisnahen Überblick zur Anwendung der Export Administration Regulations (EAR).

Im Fokus stehen BIS-Decision-Tree, Anwendungsbereich der EAR (inkl. De-minimis- und Foreign Direct Product Rules), relevante Sanktionslisten (z. B. Entity List, SDN List), Klassifizierung (ECCN/EAR99) sowie Genehmigungspflichten und License Exceptions. Eigene Praxisfälle können vorab eingereicht werden.

Wann? 20.05.2026 | 9:00–12:30 Uhr
Wo? Online
Teilnahme: 259 € (Mitglieder) / 359 € (Nicht-Mitglieder), zzgl. MwSt.

Zielgruppe sind Fach- und Führungskräfte aus Exportkontrolle, Compliance, Recht, Vertrieb und Logistik.

Die Anmeldung ist hier bis 18. Mai 2026 möglich.

Bescheinigungsstelle Forschungszulage – Konsortium erneut beauftragt

Das bestehende Konsortium aus der AiF Projekt GmbH, der VDI Technologiezentrum GmbH und dem DLR-Projektträger hat erneut den Zuschlag für den Betrieb der Bescheinigungsstelle für die steuerliche Förderung von FuE-Vorhaben erhalten.

Die Bescheinigungsstelle Forschungszulage (BSFZ) prüft im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) Anträge auf die Förderfähigkeit von FuE-Projekten im Sinne des Gesetzes zur steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung (Forschungszulagengesetz – FZulG) und stellt darüber Bescheinigungen aus.

Die Forschungszulage wurde im Jahr 2020 eingeführt. Mit ihr haben Unternehmen die Chance, unbürokratisch und themenoffen Fördermittel für ihre Forschung und Entwicklung zu erhalten.

In Anspruch nehmen können die Forschungszulage alle steuerpflichtigen Unternehmen. Begünstigt sind Forschungs- und Entwicklungsvorhaben (FuE-Vorhaben), soweit sie einer oder mehreren der Kategorien Grundlagenforschung, industrielle Forschung oder experimentelle Entwicklung zuzuordnen sind. Die Höhe der Forschungszulage richtet sich nach den förderfähigen Aufwendungen für die Vorhaben.

SAVE THE DATE: Innovationstag Mittelstand des BMWE am 11. Juni 2026 in Berlin

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) veranstaltet auf dem Freigelände der AiF Projekt GmbH in Berlin-Pankow am 11. Juni 2026 erneut seine bekannte und viel beachtete "Leistungsschau im Grünen", auf der kleine und mittlere Unternehmen, Forschungseinrichtungen sowie Forschungsvereinigungen aus ganz Deutschland ihre in geförderten Projekten entwickelten Demonstratoren, Prototypen, neuartige oder weiterentwickelte Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen präsentieren. Die Realisierung der dargebotenen Anschauungsobjekte wird durch Förderprogramme wie die "Industrielle Gemeinschaftsforschung" (IGF) und "Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand" (ZIM) des BMWE unterstützt.

Die mit SPECTARIS kooperierende Forschungsvereinigung Feinmechanik, Optik und Medizintechnik e. V. (F.O.M.) wird seit über zehn Jahren vom BMWE eingeladen, die beeindruckenden Ergebnisse gleich mehrerer ihrer abgeschlossenen IGF-Projekte vorzustellen. Um die Möglichkeit der Präsentation auf dem Innovationstag Mittelstand können sich Betreiber und Forscher von geförderten Projekten bewerben, die hervorragende Resultate mitbringen und diese dem Publikum in anschaulichen Exponaten präsentieren können.

Die F.O.M. ist eingeladen, in diesem Jahr die Demonstratoren der beiden Projekte

  • "Innovative Therapie der Spinalkanalstenose mittels Laserablation unter OCT-Kontrolle" (InTherSteLa) und
  • "Bedienerunabhängige Roboter-gestützte Hebelpolitur" (BeRoH)

zu zeigen.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich die spannenden innovationsorientierten Forschungsergebnisse vorführen zu lassen.

Die Veranstaltung findet in der Tschaikowskistraße 49, 13156 Berlin statt, der Eintritt ist kostenfrei. Weitere Informationen zum Innovationstag Mittelstand 2026 des BMWE finden Sie hier.

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